Wieder da

Hurra. Ferien sind toll. Wieder da sein ist mittel. Heute in der Klinik 2x kurz gefreut, weil gedacht, Sorgenkind-Patienten seien extubiert. Waren aber nur tracheotomiert. Mist. Immer die gleiche Nummer. Na denn.

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Ferien!

Wenn auch nur mini-Ferien, aber so hab ich doch bis Dienstag frei und werde diesen meinen Kurzurlaub am Meer verbringen. Hurra! Ohne Laptop. Wir lesen uns also am Mittwoch. Frühestens. Bleibt tapfer und macht mir keine Dummheiten 😉

Mal kurz…

CAVE: niemals noch schnell „mal kurz“ was machen, weil, geht ja schnell.

Will man „mal kurz“ nen ZVK vor der heiligen Frühstückspause legen, dauert es bestimmt eine Stunde und man selber und der Patient sind hinterher komplett fertig mit den Nerven und es gibt keine Brötchen mehr.

Soll man nach dem Spätdienst „mal kurz“ vorm Heimgehen noch ein beatmetes Schätzchen durchs CT fahren, so wird sich dieses mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beim Umlagern den Tubus/die Arterie/die Schleuse/den ZVK/den Shaldon/den BVK/die Thoraxdrainage/die Redondrainage/die Robinsondrainage/…/ entfernen und für allerlei Unannehmlichkeiten sorgen.

Möchte man „mal kurz“ vor der Visite noch einen Pleuraerguss punktieren, so kann man sich schon darauf einstellen, nach der Visite ganz in Ruhe eine Thoraxdrainage zu platzieren.

Merke: „mal kurz“ geht gar nicht, vor allem nicht im Endgegner-Level. Da sollte man all seine Aktionen akribisch und strategisch planen wie ein Feldherr die entscheidende Schlacht. Und, ja, Lernen tut weh. 😉

Chronik einer Nacht

Ich hab auch mal mitgemacht. So wie z.B. die Kollegen hier, hier und hier. Also, eine beliebige Nacht: here we go:

20:30 – auf dem Sofa aufgewacht. Es ist Zeit. Höchste Zeit. Auf zum Nachtdienst

21:02 – so gut wie pünktlich zur Übergabe da… Kollegin rödelt noch rum… erstmal ne Runde Solitär spielen

21:08 – lief grad gut, egal, Übergabe muss sein.

21:45 – Visite beendet. Die meisten Patienten sind Selbstläufer und sollten die Nacht über auf Autopilot laufen. Sollten. Zwei Betten frei, eine OP im Orbit, aber noch nicht da. Der Spätdienst verschwindet.

21:48 – Anruf von der Rettungsstelle: Rupturiertes BAA auf dem Weg.

22:00 – BAA noch nicht da. Solitär.

22:30 – BAA immer noch nicht da. Labore gucken, Specials für morgen nachmelden.

23:10 – BAA immer noch nicht da. Anruf geträumt? Vorsichtiger Rückruf – sind im OP. Aha. Entspannung. Solitär.

23:30 – aus purer Langeweile diverse BGAs gemacht. An diversen Beatmungsgeräten gespielt. Große Medizin.

23:45 – ein EK gegeben. Läuft morgen eh ab.

00:30 – Der Patient aus dem OP erscheint. Schnell untersuchen, wird nachbeatmet, hat bereits alle möglichen maximalinvasiven Zugänge.

01:05 – Kurve für neuen Patienten geschrieben, da schon mal am Computer ein bisschen Solitär.

01:45 – ein Patient kriegt Atropin weil bradykard, ein anderer Betablocker weil tachykard. Erwäge die beiden in ein Zimmer zusammenzuschieben zwecks normfrequenter Durchschnitts-Herzfrequenz. Wäre allerdings immernoch hypotoner Durchschnitts-Blutdruck. Schmeiße eine Runde Noradrenalin.

02:00 – Essen. Gibt Kartoffelgratin mit Gemüse. Yammie.

03:00 – Gab auch noch Eis. Fressnarkose. Kurz Augen zu. Kissen besorgt, Decken besorgt. Nest unter Schreibtisch gebaut.

03:05 – kurz erwogen, die Patientin im Nachbarzimmer zu intubieren. Schnarcht zu laut, ich kann nicht schlafen.

03:25 – das BAA kommt an.

03:31 – das BAA kriegt zwei Konserven.

03:50 – das BAA kriegt ein FFP.

04:00 – BGA vom BAA schön geworden. Noch ein paar andere BGAs gemacht, da schon dabei. Bisschen Kalium verteilt, bisschen Kalzium verteilt. Laborkosmetik für Chefvisite.

04:15 – Vögeln beim Singen zugehört. Hurra, Frühling.

04:30 – Bisschen Doku, Verläufe geschrieben, Kurven geschrieben. Solitär.

04:45 – Patient beim Bluten zugeguckt. Chirurgen gerufen. EKs, Volumen, OP. Die Armen. Waren gerade erst im Bett.

05:00 – Kontrollrunde mit Blick in alle Boxen: scheint ruhig. Kalium-Perfusor gefunden, ausgestellt.

05:15 – Solitär.

06:00 – Argh! Die Piccos! Schnell gemessen, alles gut.

06:30 – Guten Morgen, liebe Kollegen, guten Morgen, Chef!

06:35 – ersten Anschiss kassiert für Begebenheiten aus dem Wochenende über die ich Nachtdienst-Unglücksrabe berichten muss.

06:55 – drei weitere Anschisse später Frühvisite überlebt.

07:00 – Höchst pünktlich Ort des Geschehens verlassen. Brötchen holen.

07:35 – Frühstück, Bett. Hurra, Vorbei. Ruhige Nacht.

Albern

Ja, ich gebe es zu. Ständig Manchmal bin ich infantil und albern. Vor allem, wenn es um eindeutige Zweideutigkeiten geht. Ich kann locker eine Nachmittags-Indikationsbesprechung sprengen, weil ich vor Lachen quieke, weine und hyperventiliere, weil einer der vorgestellten Patienten zufällig „Herr Fick“ oder „Frau Poppen“ heisst. Und, je mehr ich dann versuche, wieder klarzukommen, desto weniger kann ich aufhören zu lachen.

So auch neulich in der Visite, als meine Kollegin eiskalt folgenden Satz raushaute: „Den Patienten wollten die Unfallchirurgen eigentlich gestern noch nageln, aber wegen [blabla] ist der über Nacht auf Intensiv gekommen.“ Oh Mann. Ich bin sofort hinter meinem Oberarzt auf Tauchstation gegangen, musste aber doch so unfassbar lachen, dass ich dann das Zimmer vorzeitig verlassen musste. Ich habe auch die nächsten vier Bettplätze debil in mich hineingekichert. War peinlich, ich KONNTE aber nicht anders.

Ähnlich verhält es sich auch mit semantischen Schätzen wie „Einführungsveranstaltung“ oder „Stoßzeiten“. Tut mir leid, aber da komm ich nicht klar!

Medizinertest

Angeregt durch DocBlog hab ich auch mal mitgemacht

Sie haben 9 von 15 Punkten.

Nicht schlecht, Sie liegen im soliden Mittelfeld. Eine Karriere im weißen Kittel ist für Sie nicht unerreichbar, denn zumindest einige Anforderungen können Sie erfüllen. Der Test für medizinische Studiengänge ist außerdem so konzipiert, dass praktisch kein Teilnehmer eine volle Punktzahl erreichen kann.

Puh ha. Zum Glück musste ich diesen Test gar nicht mehr machen. Und, was mir dabei aufgefallen ist: MC-Aufgaben vermisse ich wirklich so gar nicht!

P.S.: Bin ja gespannt, ob die Anästhesisten unter uns zweistellig schaffen… das wäre Wasser auf die Mühlen der Blut-Hirn-Schranken-Debatte! 😉

Kleiner Beitrag zu meiner aktuellen Laune

WAH!

Gerade rausgefunden dass heute Feiertag ist. Gnahgnahgnah. Meinem Dienstplan halt nicht zu entnehmen gewesen, muss gleich arbeiten, hab nix zu essen im Haus (dann gibts wohl wieder „Nudeln ohne alles“), hätte heute noch ein Geburtstagsgeschenk kaufen sollen, wird alles nix.

Job – kaka. Ständig sterben mir Patienten weg. Ich weiß, es ist eine Intensivstation. Ich weiß, der Patient fängt immer an, und ich weiß, jedes Leben hat einmal ein Ende und JA, warum nicht auf der Intensivstation. Wenn getan wurde was zu tun ist? Aber warum hab ich bloß gerade so einen Run? 5 in 4 Tagen find ich echt was viel, lieber Endgegner, du hast meinen vollen Respekt, glaub mir, du musst gerade wirklich nicht weiter den Macker markieren. Lass mich heute in Ruhe, ja? Ich möchte heute einfach ein bisschen postop-Patienten betüdeln, vielleicht nen ZVK wechseln, ein bisschen Picco messen, auch gerne irgendwen ein bisschen kaputtes aus der Rettungsstelle zwecks weiterer Betreuung und ggf. Heilung aufnehmen, aber ich möchte heute NICHT SCHON WIEDER stundenlang reanimieren und mich irgendwann aufraffen müssen zu „Kommt, Leute, es reicht, wir hören jetzt auf“. Bitte. Und das Rea-Telefon soll auch nicht klingeln! So. War das deutlich genug? Menno 😦