Chronik einer Nacht

Ich hab auch mal mitgemacht. So wie z.B. die Kollegen hier, hier und hier. Also, eine beliebige Nacht: here we go:

20:30 – auf dem Sofa aufgewacht. Es ist Zeit. Höchste Zeit. Auf zum Nachtdienst

21:02 – so gut wie pünktlich zur Übergabe da… Kollegin rödelt noch rum… erstmal ne Runde Solitär spielen

21:08 – lief grad gut, egal, Übergabe muss sein.

21:45 – Visite beendet. Die meisten Patienten sind Selbstläufer und sollten die Nacht über auf Autopilot laufen. Sollten. Zwei Betten frei, eine OP im Orbit, aber noch nicht da. Der Spätdienst verschwindet.

21:48 – Anruf von der Rettungsstelle: Rupturiertes BAA auf dem Weg.

22:00 – BAA noch nicht da. Solitär.

22:30 – BAA immer noch nicht da. Labore gucken, Specials für morgen nachmelden.

23:10 – BAA immer noch nicht da. Anruf geträumt? Vorsichtiger Rückruf – sind im OP. Aha. Entspannung. Solitär.

23:30 – aus purer Langeweile diverse BGAs gemacht. An diversen Beatmungsgeräten gespielt. Große Medizin.

23:45 – ein EK gegeben. Läuft morgen eh ab.

00:30 – Der Patient aus dem OP erscheint. Schnell untersuchen, wird nachbeatmet, hat bereits alle möglichen maximalinvasiven Zugänge.

01:05 – Kurve für neuen Patienten geschrieben, da schon mal am Computer ein bisschen Solitär.

01:45 – ein Patient kriegt Atropin weil bradykard, ein anderer Betablocker weil tachykard. Erwäge die beiden in ein Zimmer zusammenzuschieben zwecks normfrequenter Durchschnitts-Herzfrequenz. Wäre allerdings immernoch hypotoner Durchschnitts-Blutdruck. Schmeiße eine Runde Noradrenalin.

02:00 – Essen. Gibt Kartoffelgratin mit Gemüse. Yammie.

03:00 – Gab auch noch Eis. Fressnarkose. Kurz Augen zu. Kissen besorgt, Decken besorgt. Nest unter Schreibtisch gebaut.

03:05 – kurz erwogen, die Patientin im Nachbarzimmer zu intubieren. Schnarcht zu laut, ich kann nicht schlafen.

03:25 – das BAA kommt an.

03:31 – das BAA kriegt zwei Konserven.

03:50 – das BAA kriegt ein FFP.

04:00 – BGA vom BAA schön geworden. Noch ein paar andere BGAs gemacht, da schon dabei. Bisschen Kalium verteilt, bisschen Kalzium verteilt. Laborkosmetik für Chefvisite.

04:15 – Vögeln beim Singen zugehört. Hurra, Frühling.

04:30 – Bisschen Doku, Verläufe geschrieben, Kurven geschrieben. Solitär.

04:45 – Patient beim Bluten zugeguckt. Chirurgen gerufen. EKs, Volumen, OP. Die Armen. Waren gerade erst im Bett.

05:00 – Kontrollrunde mit Blick in alle Boxen: scheint ruhig. Kalium-Perfusor gefunden, ausgestellt.

05:15 – Solitär.

06:00 – Argh! Die Piccos! Schnell gemessen, alles gut.

06:30 – Guten Morgen, liebe Kollegen, guten Morgen, Chef!

06:35 – ersten Anschiss kassiert für Begebenheiten aus dem Wochenende über die ich Nachtdienst-Unglücksrabe berichten muss.

06:55 – drei weitere Anschisse später Frühvisite überlebt.

07:00 – Höchst pünktlich Ort des Geschehens verlassen. Brötchen holen.

07:35 – Frühstück, Bett. Hurra, Vorbei. Ruhige Nacht.

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6 Gedanken zu „Chronik einer Nacht

  1. „03:05 – kurz erwogen, die Patientin im Nachbarzimmer zu intubieren. Schnarcht zu laut, ich kann nicht schlafen.

    “ *looooooooool*

    Oja, das kenn ich gut – weniger das intubieren, als dass ich nicht schlafen kann, wenn jemand schnarcht.

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