Kesslers Knigge

Fundstück des Tages im Netz – im Rahmen meiner heutigen Arzt-IV-Tätigkeit habe ich selbstredend nix Besseres zu tun als den ganzen Tag auf YouTube herumzuhängen… Kesslers Knigge ist eine Reihe von „10 Dingen die sie nicht tun sollten, wenn…“, und da dieses Blog sich ggf. doch im weiteren Sinne mit Medizin beschäftigen sollte, hab ich exemplarisch mal „…wenn sie Notarzt sind“ verlinkt. Man kann aber auch zwanglos über alle anderen Folgen lachen. Sehr gut. Lachen sollte man öfters mal.

Also, hier:

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Zu alt für…

…. Umzugshilfen. Sollten wir sein, oder? Sind wir aber nicht. Deshalb muss ich jetzt mich wohl tatsächlich gleich rausquälen und einem der Herdenmitglieder zu Hilfe eilen. Argh. Der Punkt ist folgender: Die alte Wohnung liegt im 5 Stock (selbstredend ohne Aufzug) und die neue im 1. Stock, das heißt, ich werde so auftauchen, dass ich genau zum Einzug in Wohnung 2 da bin und mir wenigstens das Geschlörre aus Wohnung 1 sparen kann.

Schließlich war gestern wieder ein Dienst from Hell, allein allein mit 16 bekloppten Intensivpatienten, die es drauf anlegen, einen alle auf einmal zu ärgern:

„Der Vierer hat ne 200´er Frequenz“ „Bei der Achterin geht keine Luft mehr rein, kommst Du mal schnell?“ „Beim Zwölfer ist die Arterie platt, die misst keinen ordentlichen Druck… *Pause* … ach nee, der HAT keinen ordentlichen Druck!“ „Der Zehner blutet.“ „Die Zweierin hat sich den ZVK gezogen und sonst keinen Zugang“ „Der Shaldon läuft nicht beim Elfer und der hat doch ein Kalium von 6.“ WAH!

Pünktlich zur Übergabe hat noch einer mit Pupillendifferenzgeschichten rumgezickt und es lief auf ein CCT raus, immer der gleiche ganz große Spaß mit fünfundzwanzig Perfusoren und Arterie und Picco und Kathetern und Thoraxdrainage und -auch wichtig- Tubus und dann die 125 Kilo Mensch auf den CT-Tisch wuchten, dauert EWIG. 2 Minuten CT, dann wieder zurückwuchten, sortieren, klarkommen und zurück in die Homebase fahren. Dreiviertelstunde insgesamt. Selbstredend war das CT unauffällig. Und dann. Mein Lieblingsmoment des gestrigen Tages. Ich komm mit dem Patienten vom CT zurück und will stat nach Hause gehen, da ist mein Nachtdienst-Kollege weg. Reanimieren gegangen. Top. KLAR kann ich noch schnell ein Bett freiräumen und nochn bisschen aufpassen, ich hab ja sonst nix vor.

Im Endeffekt war ich dann so um 1 zu Hause und brauchte noch Unterschichten-Fernsehen und ein Bier bevor ich schlafen konnte, daher find ichs fair wenn ich erst zum Einziehen zum lustigen Umzugs-Trüppchen dazustoße. Oder?

Ach, und heute ist Muttertag! Nicht vergessen, Blümchen bringen! 😉

UND heute ist Wahltag in NRW! Schon gewählt? Auch nicht vergessen! Wichtig!

Gedicht des Tages

ZVK

Spritzt helles Blut dir ins Gesicht

wars die Vene sicher nicht.

Hast du Luft in deiner Spritze

ruf schonmal nach dem Röntgen-Fritze.

der zeigt dir dann den Mantel-Pneu

und du Wicht denkst nun aufs Neu´

schön wenn ein Ober-Arzt hier wär…

denn da muss ´ne Drainage her.

Dafür muss der Patient sediert sein –

und sei gewiss: der trübt dir ein.

blöd, wer ihn nicht gleich erkennt:

ein neuer Intensiv-Patient

Wie war Dein Tag?

Mittel. Mir ist einer kaputt gegangen. Ich nippe an meinem Bier.

Mh. Scheiße.

Meine private Balint-Gruppe in Form bester Freunde und ehemaliger Lern-Leidensgefährten braucht nicht mehr zu wissen. Sie verstehen schon. Dass wir heute den ganzen Tag einem Schaukampf gewidmet haben, den wir nicht gewinnen können. Abgekartertes Spiel, wir wissen doch alle wer am Ende Sieger bleibt. Trotzdem Konserven gegeben haben, nur um zuzuschauen, wie das Blut aus sämtlichen natürlichen und iatrogenen Körperöffnungen wieder hinaussickert. Intubiert haben, beatmet haben, dilettantisch die Funktion des nicht mehr pumpen wollenden Herzens übernommen haben. Supra. Supra. Noch mehr Supra. Atropin. Supra. Dialyse. Mehr Supra. BGA! Konserve! Supra. NaBic! Supra. Supra. Wer pumpt? Echo! Schrittmacher! Schleuse in die Subclavia. Supra. Supra.

Wir haben den Kampf verloren. Um einen Vater. Um einen Ehemann, der von seiner Frau geliebt wurde. Um einen Sohn, dessen Eltern es nicht fassen können. Um einen Menschen, der noch die Hälfte seines Lebens vor sich hätte haben sollen. Der noch reisen wollte, der noch das Haus abbezahlen muss. Dessen Kinder noch zur Schule gehen. Halbwaisen jetzt.

Mitheulen können hätte ich. Aber es hilft ja nix. Da sind noch 15 andere. Nur nicht in der Blutlache ausrutschen. Ihr drückt noch? Ich bin gleich wieder da.

Mittel war mein Tag. Mir ist der Fünfer kaputt gegangen.

Der Rächer mit dem Strafzettel

Eigentlich wollte ich heute vom Ende meines Not-Arzt (höhö)-Kurses berichten, aber dann musste ich noch schnell einkaufen fahren und da hab ich schon wieder einen Liebesbrief meiner Stadt am Scheibenwischer des besten Autos der Welt gefunden. Gnah. Ich gebe zu, ich habe die Anwohner-Park-Zone – ich sag mal – ausgereizt, aber es war morgens um neun und die Stadt war total voll und ich war total müde nach Nachtdienst und wollte sofort schlafen und hatte nicht die Nerven, hundert Jahre lang im Kreis zu fahren. Naja. Auf jeden Fall werde ich den Strafzettel aufheben und liebevoll weiterleiten an den nächsten Vollidiot Hecht, der wieder meint, mit seinem dicken SUV drei Parkplätze besetzen zu müssen. Das wird schön. Ich bin der Parkplatz-Rächer…

Note to myself: öfter regelwidrig parken, um möglichst viele Rächer-Zettel zu sammeln und umzuverteilen!