Pflegepraktikum

Neulich erblickte ich im Flur eine aufgeregte Pflegepraktikantin…Ich hatte kurz einige Flashbacks… mein Pflegepraktikum ist zwar gefühlte sieben Millionen Jahre her, aber einige Situationen sind mir doch sehr präsent geblieben.

Ich war klein und hatte keine Ahnung vom wahren Leben, wie auch, war es doch mein erstes Zusammentreffen mit dem Mikrokosmos Krankenhaus. Ich hatte allerdings schon in einem Altenheim ein Praktikum gemacht, so dass ich immerhin wusste, wie man den Schwesternruf ausschaltet, wenn man ein Zimmer betritt, und ich hatte schon diverse bettlägrige Patienten gewaschen.

Ich war aber vor allen Dingen neugierig und aufgeregt und wollte soviel Medizin mitnehmen wie nur irgend möglich. Das wurde mir zum Verhängnis.

Die frustrierten Schwestern in der kleinen Klitsche im Nirgendwo dem Regelversorger einer Kleinstadt hatten schnell raus, dass ich eigentlich mal Arzt werden will und das Pflegepraktikum nur ein notwendiger Zwischenschritt war, und relativ schnell wurde es eine reine Quälerei.

Morgens durfte ich rumgehen und Vitalwerte messen, das hab ich natürlich gerne gemacht. Danach war ich dafür verantwortlich, den Frühstückstisch zu decken und Kaffee zu kochen. Und Brötchen aus der Kantine zu holen. Und die Frühstückseier zu kochen (Einlauf inclusive, wenn das Eigelb auch hart wurde). Selbstredend war beim einstündigen Frühstück ich die einzige, die auf die Klingel reagierte, die Schwestern waren doch sehr mit Rauchen und Tratschen beschäftigt.

Nachdem ich dann den Frühstückstisch abgedeckt und die Spülmaschine angeworfen hatte, hoffte ich immer darauf, einen Blick auf die Ärzte und deren Arbeit zu erhaschen. Am zweiten Tag durfte ich mit zur Visite. Mann war das AUFREGEND!

Am nächsten Tag wollte ich natürlich gerne wieder, aber nein, das ging nicht, ich sollte zunächst mal alle Nachttischchen feucht abwischen. Und danach waren 1000 Krankentransportscheine zu stempeln. Und dann sollte ich bitteaberdalli irgendwelche Papiere ins Sekretariat bringen… and so on. Ich durfte nie wieder mit zur Visite. (Hätte ich gewusst, wie sehr einem Visite später mal zum Hals raushängt, hätte ichs wahrscheinlich nicht so schlimm gefunden)

Wenn ich Trinkgeld von den Patienten zugesteckt bekam, steckte ich es immer treudoof in die Stationskasse, bis selbige unter den Schwestern aufgeteilt wurde. Selbstredend sah ich keinen Cent davon.

Der Dienstplan sah für mich an den Wochenenden ausschließlich SpätFrüh vor.

Als ich fragte, ob ich denn auch mal eine Heparinspritze geben dürfe (die Schwesternschülerinnen machten das dauernd) war die eindeutige Antwort „Hat Dir eigentlich wer ins Hirn geschissen?“. Naja. Fragen darf man ja mal.

Einmal holte ich mit einer Schwester einen Patienten aus dem Aufwachraum, und sie drehte sich plötzlich zu mir um und schrie unvermittelt: „Schlurf nicht so! Kannst Du nichtmal ordentlich laufen?!“

Ich habe wirklich sehr gelitten. Und es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich meine Hasskappe auf alle Schwestern dieser Welt wieder absetzen konnte. Gott sei Dank hab ich später im gleichen Haus auf der Nachbarstation Aushilfen gemacht und eine ganz andere Welt, geprägt von gegenseitigem Respekt und Freude bei der Arbeit kennengelernt.

Und mir sind nie wieder so maligne Schwestern untergekommen wie bei meinem Pflegepraktikum. Mittlerweile würde ich da wahrscheinlich auch sehr anders reagieren, aber, wie gesagt, ich war jung, unschuldig und wusste nichts von der Realität. Fast hätten sie mich kaputt gemacht.

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5 Gedanken zu „Pflegepraktikum

  1. Ach, da bin ich ja froh, dass es nicht nur bei mir so war!
    Allerdings durfte ich während meines (halbjährigen) Praktikum sogar Heparin spritzen.
    Aber alles andere kommt mir sehr bekannt vor und aus dem Grund habe ich auch keine Pflegelaufbahn eingeschlagen.

    Liebe Grüße
    Jennifer

  2. Wenn ich das so lese bin ich fast überzeugt, dass wir unser Pflegepraktikum im gleichen Haus gemacht haben!
    Nur dass es auf meiner Station leider keine Spülmaschine gab, daher musste ich nach dem „gemütlichen“ Frühstück alles von Hand spülen. Und ich durfte Heparin spritzen. Zweimal. Dann hat es die Stationsleitung mitbekommen und bei Todesstrafe untersagt. Oder so.

  3. klingt nach meinem praktikum bzw. nach dem monat den ich schon gemacht hab 😀 und ich durfte mich auch direkt auf saemtlichen stationen im umkreis unbeliebt machen, weil ich immer medikamente schnorren gehen durfte.. aber immerhin konnte man sich dabei zeit lassen, weil wenn man auf alle stationen muss und so ^^ naja, liest ja eh keiner mehr, von daher ^^

  4. Sowas kommt mir bekannt vor. In dem KH wo ich derzeit meine BFD-Stelle habe gibt es auch eine Station die spätestens nach 6 Wochen alle BFDs, FSJler, und Praktikanten soweit gebracht haben, das diese händeringend mit JEDEM tauschen würden nur von dort wegzukommen.

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