Der Fall Elaine Bromiley

Heute wieder ein Filmchen. Diesmal aber ein ganz ernster. Er dauert knapp 14 Minuten, und es sind sehr anstrengende 14 Minuten. Es lohnt sich aber. Schaut es euch an und lernt daraus. Alle, die wir in der (Notfall-)Medizin tätig sind, könnten jederzeit in eine solche Lage geraten: Eine Routinesituation gerät aufgrund unerwarteter Schwierigkeiten außer Kontrolle, die Beteiligten (alles Profis!!) werden nervös und schon jagt eine Fehlentscheidung die nächste und man schlittert geradewegs in eine Katastrophe.

 

Wir alle können und sollten aus solchen dramatischen Fällen viel lernen. In dieser Hinsicht sei euch auch diese Website dringendst ans Herz gelegt. Da packt man sich auch des öfteren an den Kopf und denkt „oh weia, wie können die nur…“

Und dann denkt man noch ein bisschen drüber nach und erinnert sich vielleicht an diese eine Situation im letzten Dienst, die nur zufällig eine Situation blieb und nicht ausgeartet ist in eine Katastrophe. Und man schärft seine Sinne.

Bleibt wachsam!

 

Freitagsfüller/3

Ihr kennt das, mittlerweile. Hier ist das Original. Macht doch auch mit!

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1. Das Leben ist schön.

2.  Obstsalat mit Erdbeeren und Bananen schmeckt für mich wie Frühling.

3.  Meine Osterdeko ist noch im Keller, glaub ich. In dieser einen Kiste da ganz hinten. Wenn nicht da, dann vielleicht… uh… ich muss nochmal gucken.

4. Hier müsste ich wohl wieder das Dr.-Dings erwähnen – wird es jemals fertig werden?

5. Ich könnte jetzt gerade wieder ins Bett gehen.

6. Mein unsichtbarer Freund Rasputin ist immer an meiner Seite.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf tanzen gehen mit Freunden, morgen habe ich eine Fortbildung geplant und Sonntag möchte ich rumhängen, muss aber arbeiten!

Pro-Tips: heute für Angehörige:

Liebe Angehörige.

Ja, wir sind der Arzt. Wir versuchen, Ihrem erkrankten/verletzten Lieben so gut wie möglich zu helfen. Bitte unterstützen Sie uns nach Kräften. Wir wären Ihnen für Folgendes dankbar:

1.: Wenn Sie uns mit einem Brötchen im Mund, einer Kaffeetasse in der einen Hand, dem Arztzimmerschlüssel in der anderen und einem Stapel Akten unter dem Arm sehen, wie wir versuchen, die Zimmertür aufzuschließen: klopfen Sie nicht eine Minute später an die Tür. Wir wollen nur kurz was essen, während wir einen Brief diktieren. Wir sind gleich wieder für Sie da.

2.: Wir sind die mit dem Kittel. Der Arzt. Je weniger von Ihnen uns nach Blumenvasen/Kaffeetassen/neuem Tee/einem frischen Bettbezug fragen, desto mehr Zeit haben wir für unsere Arbeit, die dann ja Ihrem Liebsten zu Gute kommt.

3.: Wir haben Kernarbeitszeiten. In meinem Fall von 07:00 Uhr bis 16:00 Uhr (offiziell). Wenn Sie uns abends auf dem Gang sehen, dann haben wir entweder Dienst (und sind dann tendentiell in Zeitnot) oder sind schon viel zu lange da und wollen nach Hause. Nicht der optimale Zeitpunkt, um zu fragen, wie es denn mit Opi Günni jetzt in der letzten Woche gelaufen ist und was da jetzt in der nächsten Woche geplant ist.

4.: Apropos Dienst und optimale Zeitpunkte: Klar verstehen wir, dass Sie am Wochenende mehr Zeit haben und es endlich mal geschafft haben, Opa Günni zu besuchen. Aber eine ausführliche Auskunft können wir Ihnen dann leider in den seltensten Fällen geben. Am Wochenende kümmern wir uns alleine um all die Patienten, auch um die, die unsere Kollegen unter der Woche betreuen. Vielleicht haben wir also mit Opa Günni bislang nichts zu tun gehabt und deshalb den Plan nicht parat. Wir sind nur die Notbesetzung. Außerdem haben wir es eilig. Und selbst wenn wir gerade dasitzen und Pizza essen, lassen Sie uns doch. Wir haben schon 12 Stunden hinter uns und noch 12 vor uns.

5.: Machen Sie es so: Rufen Sie an. Sagen Sie: „ich möchte über Opa Günni sprechen. Wer ist der zuständige Arzt und wann hat der Zeit? Wann soll ich vorbeikommen?“ Und schon kommen wir zusammen.

6.: Grundsätzlich: Reden Sie mit uns. Rennen Sie nicht gleich zum Beschwerdemanagement/dem Chef und schwärzen Sie uns an. Entweder Sie haben da was falsch verstanden oder das war nicht so gemeint. Ehrlich.

7.: Wenn Sie Teil einer großen Familie sind, suchen Sie sich einen Mittler. Wir erzählen ungerne 15 Mal das Gleiche.

8.: Wenn Sie der Schwippschwager der Freundin von Opa Günnis Tante sind, dürfen wir Ihnen keine Auskunft erteilen. Und schon gar nicht am Telefon. Echt jetzt. Das dürfen wir eigentlich noch nicht mal bei den engsten Angehörigen. Aber da machen wir vielleicht schon mal eine Ausnahme.

9.: Wir sind keine Gedächtniskünstler. Tun Sie uns einen Gefallen, um Missverständnissen vorzubeugen: „Ich bin die Tochter von Herrn Günni aus Zimmer 14“ macht es uns viel leichter als: „Wie geht es meinem Papa?“. Vor allem, wenn Sie uns auf dem Flur ansprechen.

10.: Wenn Sie eine Vollmacht für Opa Günni haben, hilft es ungemein, wenn Sie erreichbar sind.

11.: Fragen Sie uns doch nicht alle drei Minuten, wann Opa Günni aus dem OP zurückkommt. Wir wissen es nicht. Wir haben keine Standleitung. Wenn wir sagen: gehen Sie noch einen Kaffee trinken, dann glauben Sie uns: es wird noch dauern.

12.: Denken Sie nicht, wir haben uns nicht gekümmert, wenn Opa Günni die Visite zu kurz war. Wir haben schon den Reha-Antrag ausgefüllt, die Tumorkonferenz vorbereitet, dreimal mit den Pathologen wegen der Histologie telefoniert, die Ernährungsberatung und Physiotherapie angeleiert, den Bericht für den Hausarzt geschrieben, an den Schmerzmitteln geschraubt und ein Kontroll-Röntgen angemeldet. Nur halt nicht an Opa Günnis Bett.

13.: Kommen Sie uns doch nicht mit: „Wie waren denn die Blutwerte gestern?“ (es sei denn, Sie sind Kollege, aber dann wissen Sie das alles) Kann sein, dass wir schlecht drauf sind und antworten: „Welche denn?“ Wir kümmern uns. Versprochen. Wenn da komische Laborwerte sind, dann wird dem nachgegangen. Ehrlich.

14.: Wir wollen alle das Gleiche: das Beste für Opa Günni. Lassen Sie uns an einem Strang ziehen, okay?

Mit den allerbesten Grüßen,

der Chirurgenwelpe.

Pro Tips – heute für Passanten

Ganz ernst gemeint:

Wenn Sie jemanden auf dem Boden liegend vorfinden, der sich nicht rührt, nicht atmet, auf Ansprache und Rütteln nicht reagiert und vielleicht auch noch blau angelaufen ist im Gesicht:

112 anrufen, den Betroffenen auf den Rücken drehen und mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Der Rhythmus sollte sein: 30 Herzdruckmassagen (einfach mittig auf dem Brustkorb, Frequenz ca. 100/min – singen Sie im Kopf einfach „Staying alive“ und drücken Sie im Takt) und dann 2 Beatmungen. Wenn Sie sich die Beatmungen nicht zutrauen oder sich davor ekeln, egal, dann drücken Sie einfach durch bis der Rettungsdienst da ist. Sie können nichts kaputt machen, was im Zweifelsfall nicht schon kaputt ist. Sollte der Patient doch nicht reanimationspflichtig sein, wird er sich schon wehren.

 

Freitagsfüller/2

hatte ich schon wieder fast vergessen!

Also, wie letzte Woche auch, heute ist Freitag, somit folgt nun der ….

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1. Mein Bauch ist voll. Hatte gerade Abendbrot .

2.  Gleich noch Mama und Papa anrufen.

3. Willkommen Frühling! Sei aufs Allerherzlichste willkommen!!

4.  Meine Motivation braucht ein wenig Zuspruch (in Sachen Dr. med. Chirurgenwelpe bin ich noch nicht so substantiell weitergekommen).

5. Da ist ein Eichhörnchen! 

6. Wird die Uhr jetzt eigentlich vor- oder zurückgestellt am Wochenende? Eigentlich egal, will ich gar nicht wissen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf rumhängen und ein Weinchen mit Freunden, morgen habe ich den ganzen Tag in der Sonne liegen geplant und Sonntag möchte ich Sport machen. Mal schauen ob das besser klappt als letzte Woche. Und ins Konzert abends. Voll schönes Wochenende!

 

kommt von hier, macht doch auch mit!

Pro-Tips für Patienten/2

Heute: der korrekte Umgang mit dem Notarzt.

Lieber Patient, liebe Patientin.

Wir sind für Sie da. 24/7, 365 Tage im Jahr. Unser Beruf ist im besten Fall Berufung, und wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können. Machen Sie ein bisschen mit. Wir wären Ihnen für folgendes dankbar.

1. Wenn Sie uns gerufen haben, weil Sie Luftnot haben, begrüßen SIe uns bitte nicht mit den Worten: „Darf ich noch eine rauchen bevor wir ins Krankenhaus fahren?“

2. Vermeiden Sie auf alle Fälle den Satz: „Ich hab das schon seit drei Wochen, aber jetzt mach ich mir doch langsam Sorgen, weil es nicht weg geht…“ Vermeiden Sie diesen Satz bitte vor allem um 3 Uhr nachts.

3. Wir sind gleich da. Wirklich. Sie brauchen uns nicht mit dem Auto entgegenzufahren. Vor allem nicht, wenn Sie uns gerufen haben, weil Sie betrunken waren und gestürzt sind.

4. Machen Sie uns doch die Tür auf. Auch wenn Sie es sich anders überlegt haben. Sonst befürchten wir, es ist etwas Schlimmes passiert. Dann machen WIR die Tür auf. Unter Umständen mit Kollateralschaden.

5. Tun Sie den Hund weg. Der ist bestimmt ganz lieb. Aber im Zweifelsfall trotzdem im Weg.

6. Rufen Sie uns, wenn Sie plötzlich Druck auf der Brust haben. Oder Luftnot. Oder eine Körperhälfte nicht mehr bewegen können. Dann brauchen Sie nicht zu warten, ob „es morgen besser ist“.

7. Wir nehmen Sie nicht mit ins Krankenhaus, weil uns sonst langweilig wäre. Wenn Sie sich so schlecht fühlen, dass Sie uns rufen, dann kommen Sie doch auch bitte mit, wenn wir denken, Sie gehören in die Klinik.

8. Drohen Sie uns nicht mit der Polizei. Bitte. Das ist doch nicht nötig. Und, kleiner Insider-Tipp: Die werden im Zweifelsfall auf unserer Seite sein.

Und wenn Sie uns wirklich einen Gefallen tun wollen und es Ihnen nicht zu schlecht dafür geht, sind wir sehr dankbar um eine Medikamentenliste und/oder den letzten Entlassbrief aus der Klinik. Echt jetzt.

Mit den allerbesten Grüßen!

Der Chirurgenwelpe.

Pro-Tips für Patienten/1

Heute: Verhalten in der Notaufnahme

Lieber Patient, liebe Patientin.

Wir sind für Sie da. 24/7, 365 Tage im Jahr. Unser Beruf ist im besten Fall Berufung, und wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können. Machen Sie ein bisschen mit. Wir wären Ihnen für folgendes dankbar.

1. Wir glauben Ihnen, dass es Ihnen nicht gut geht. Sonst wären Sie nicht hier. Bitte, wiederholen Sie dies nicht alle 5 Minuten bei der Patientenanmeldung. Wir sortieren nicht nach Ankunftzeit, sondern nach Dringlichkeit. Vielleicht gibt es jemanden, der gerade WIRKLICH nicht warten kann.

2. Wenn die Antwort auf die Frage: „Warum waren Sie nicht beim Hausarzt?“ lautet: „Da muss ich immer so lange warten“ oder „Ja tagsüber muss ich doch arbeiten“ dann denken Sie doch noch einmal kurz über den Sinn des Wortes „NOTaufnahme“ nach.

3. Entweder Sie wissen, was Sie an Medikamenten einnehmen, inclusive der Dosierung („eine halbe von den großen Roten immer morgens“ reicht im Zweifelsfall nicht) oder Sie bringen einen Zettel mit, auf dem das draufsteht. Das hilft uns sehr.

4. Wenn sich plötzlich mehrere Ärzte im Flur zusammenrotten und Handschuhe anziehen, dann ist das nicht irgendein komisches Ritual, sondern wir warten auf ein Polytrauma. Also auf einen vorab von der Feuerwehrleitstelle angekündigten schwerst mehrfachverletzten Patienten. Selbst wenn also dann so viele „dumm rumstehen“, keiner davon wird sich jetzt ihr Knie angucken, das seit drei Wochen immer mal wieder zwickt. Ehrlich. Auch dann nicht, wenn Sie mit einer schriftlichen Beschwerde drohen.

5. Wenn Ihre Einweisung vom Hausarzt 5 Tage alt ist, dann beschweren Sie sich nicht, wenn Sie eine Stunde warten müssen, bevor Sie dran sind.

6. Wenn wir Ihnen sagen, dass Sie noch operiert werden müssen und deshalb bitte nichts mehr essen und trinken mögen, dann bezieht sich das auch auf das Snickers aus dem Süßigkeitenautomaten.

7. Sie müssen nicht alleine herkommen. Aber haben Sie Verständnis, dass höchstens ein Angehöriger mit in den Behandlungsraum kommen sollte. Nicht 8. Und auch nicht das zweijährige Kind Ihrer Cousine.

8. Wenn wir sagen: „Nehmen Sie nochmal kurz Platz, Sie werden gleich wieder aufgerufen“ dann gehen Sie bitte nicht rauchen/spazieren/was essen/einfach mal nach Hause. Wir suchen Sie sonst. Und dann dauerts wieder länger.

9. Wenn Sie uns diese komische Stelle an Ihrem Oberschenkel zeigen wollen, die seit Wochen juckt, freuen wir uns, wenn Sie vor kurzem geduscht haben. Und frische Unterwäsche tragen. Oder überhaupt Unterwäsche.

10. Wenn Sie uns in der Ecke sitzen und Kaffee trinken sehen, dann tun wir das nicht aus Boshaftigkeit, um Sie warten zu lassen. Wir laden nur kurz unsere Akkus. Ehrlich. Vielleicht arbeiten wir schon seit 20 Stunden.

11. Wenn Sie nachts um drei aus dem Urlaubsflieger steigen und uns dann noch eben den Knöchel zeigen wollen, den Sie sich vor einer Woche beim Fußballspielen am Strand umgeknickt haben, dann verzeihen Sie uns unseren sparsamen Gesichtsausdruck. Wir waren gerade eingeschlafen.

In diesem Sinne.

Mit den allerherzlichsten Grüßen,

der Chirurgenwelpe