Vom eigenen Stil

… neinnein, ich spreche hier nicht von Kleidung oder Styling. Dieser Post wird in Jogginghose, ungeschminkt und mit zerzausten Haaren geschrieben.

Aber neulich im Op ist folgendes passiert: Ich durfte etwas operieren. Jetzt keine Riesengroße-Monster-Mehrere-Stunden-OP, aber schon was Richtiges, also auch kein Abszesschen oder Blinddärmchen oder so. Ich stand da also mit meinem Oberarzt und werkelte vor mich hin. Irgendwann kamen wir an einen recht kritischen Punkt und der Oberarzt sagt: „Jetzt schneid mal da und dann machst du *dasundas* und dann *soundso*“ Und ich habe gesagt: „Ich würde aber gerne erst *andersschneiden* und dann *soähnlichaberdochandersmachen* damit wir dann *gleichesergebnis* haben.“
Der Oberarzt hat mich kurz forschend angeguckt (der Showdown-Moment sozusagen, denkt euch dramatische Musik) und dann gesagt: „Ja, find ich gut. Mach das.“

Und ich habs gemacht und es wurde gut. Das war ein großer Moment.

Natürlich heißt das nicht, dass ich jetzt für immer alles alleine operieren kann. Ich muss immer noch viel lernen und ich brauche weiterhin jemanden, der mich an der Hand hält und mich geduldig durch neue Operationen hindurchträgt. Manchmal möchte ich auch verzweifeln ob all der Dinge, die ich noch lernen muss.

Aber diese eben geschilderte Situation war ein bisschen wie Fahrradfahren ohne Stützräder. Zwar muss der Oberarzt noch nebenherjoggen, aber auf gerader Strecke kann ich schon alleine Kurs halten. Und irgendwann klappt auch der Alpencross. Alles eine Frage des Trainings.

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17 Gedanken zu „Vom eigenen Stil

  1. schön, dass Du wieder „da“ bist
    .. schöner, dass Du Spass an Deinem Job hast
    und
    .. am schönsten, dass Du (zumindest) einen „Wissenden“ an der Seite hast, der nicht auf seine eigenen Methoden besteht sondern offen ist für Alternativen (kommt nicht allzu oft vor, also sei dankbar!)
    Liebe Grüße
    Hajo

  2. Hihi…irgendwie war mir schon beim Lesen der Überschrift klar, dass es nicht um Klamotten oder Makeup geht…diese Momente, in denen man merkt, dass man doch schon sowas wie einen eigene Op-Stil entwickelt hat, die mag ich auch sehr gerne. Warum nur sind sie viel seltener als die „anderen“ Momente?
    Liebe Grüsse,
    donauKwelle

    P.S.: Was für eine OP wars denn?

  3. Beeindruckend! Ich find das toll, wenn Leute selbst überlegen, und das dachte er sich bestimmt auch. Und lass dich vom noch lernen müssen nicht demotivieren. Man lernt eh nie aus, und so Erstsemestler wie ich haben noch vieeeel mehr zu lernen^^

  4. Auch von mir einen Glückwunsch! Solch ein Erfolg gibt Auftrieb, und das sollte man auch genießen!

    Aber gleichzeitig möchte ich anmerken, dass auch eine „kleine“ und „unspektakuläre“ OP wie ein „Blinddärmchen“ so ihre Tücken haben kann, was man nie vergessen sollte (ist in allen anderen Berufen und bei den entsprechenden Tätigkeiten genau das gleiche). Ich bin immer noch dem OP-Team sehr dankbar, welches vor einigen Jahren meiner damals noch nicht 4-jährigen Tochter das durchbrochene – in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes – Blinddärmchen entfernt und den Bauch gespühlt hat. Nach mehreren sehr intensiven Tagen auf selbiger Station (auch diesem Team bin ich sehr dankbar) war die Sache glücklicher Weise halbwegs glimpflich überstanden…

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