Klinik-Haiku

Schrei mich doch nicht an
oh verehrter Oberarzt
ich gehorch´auch so.

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Aufschieberitis,

… nicht näher bezeichnet.

In diesem Blogeintrag hatte ich ja erwähnt, wie ich mir das so vorgestellt habe mit dem neuen Jahr und meinen Vorsätzen und so.

Was soll ich sagen? Heute mittag kam mein Lieblingspfleger um die Ecke und hat sich schlappgelacht, weil Frau Müller aus der 17 gesagt hat, die „schwangere Ärztin“ hätte ihr versprochen sie könne heute noch gehen. Na danke. Dreimal dürft Ihr raten, wen sie gemeint hat. ARGH! ICH BIN NICHT FETT! ICH BIN NUR ALS KIND IN DEN ZAUBERTRANK… vielleicht stand ich einfach nur unvorteilhaft da während der Visite. Das mit dem Sport ist aber auch schwierig… und ich wohne direkt neben der definitiv leckersten Dönerbude der Gegend…und die Steuererklärung… hab ich ja Zeit bis Mai mit. Mein neuer Plan ist jetzt, mir einen Steuerberater zu suchen. Bis Ende Februar. Tschacka! Und vielleicht geh ich mal joggen. Oder so. Argh.

Was denken unsere Patienten?

Spaßeshalber – seit ich nicht mehr im Schichtdienst arbeite, hab ich gefühlt so viel frei wie noch nie… – hab ich heute mal hier geguckt. Nach dem, was Patienten so über unsere Klinik schreiben. Faszinierend bis frustrierend. Der Patient als solcher nimmt ja vielleicht andere Dinge wahr und wichtet anders als der behandelnde Arzt, das wird recht deutlich anhand der Aussagen.

Naja. Dann hab ich mich gefragt welcher Patient wohl was geschrieben hat, aber ich hatte trotz teilweise recht detaillierter Krankheitsverlauf-Beschreibungen kein einziges Gesicht vor Augen. Hmpf.

Und ich glaube da ist ein deutlicher Bias in den Bewertungen, weil die, die zufrieden sind, tendenziell weniger das Bedürfnis verspüren, sich „Luft zu machen“ in so einem öffentlichen Forum.

Ähnlicher – nur andersrum- Bias ist auch in unseren chirurgie-internen Patientenfragebögen… ich verteil die immer nur an die Patienten, die zufrieden sind! 😉

 

Medizinische Abkürzungen…

… mal ganz anders.

Ich rede mit einem Patienten (immer noch bisschen ungewohnt) und frage ihn nach Vor-OP´s.

Er sagt: „Ich habe einen Dreipass bekommen.“ Ich beiße mir fast die Zunge ab. Später sehe ich in seinen Akten: Z.n. 3x-ACVB 2007. Also: DREIfach-AortocoronarervenenbyPASS. Also: Dreipass. Der Mann hatte so Recht. Ich freue mich ein bisschen.

Patientenmund tut Wahrheit kund!

… neuerdings hab ich es ja wieder vermehrt mit sprechenden Patienten zu tun. Da fällt einem schnell einiges auf…

Anna hat es in Ihrem alten Blog glaub ich mal erwähnt: MRT wird grundsätzlich KernspinT genannt.“Ich habe ein KernspinT gekriegt.“ Häh? Warum? KernspinT. Macht mich wahnsinnig.

Oder dieser Satz: „mir wurde ein Herzkatheter gesetzt“. Einen Katheter setzen. Darf man das sagen? Das klingt SOOOOO komisch, da klingeln mir die Ohren.

Schön war heute auch so ein Schätzchen, der auf die Frage nach Vorerkrankungen „keine“ antwortete und auf die Frage nach Vor-OP´s: „Mir wurde ein Defilator eingebaut“. Defilator. Musste ich kurz drüber nachdenken. Und dann die Sache mit den Vorerkrankungen nochmal angehen: „Z.n. AICD– Implantation nach Reanimation bei Kammerflimmern bei hypertensiver Herzerkrankung“. Weisste Bescheid. Keine Vorerkrankungen.

Vielleicht bin ich aber auch nur ein bisschen verstört, weil meine Patienten wieder soviel reden. Das war auf der ICU ja nicht so richtig üblich. Ach. Mal sehen.

Defilator. Wort des Tages.

Das böse D-Wort…

oohh… eigentlich habe ich mir vorgenommen, heute direkt nach der Arbeit an meiner Doktorarbeit weiterzuschreiben. Ich fass es nicht, dass ich das seit mittlerweile nunmehr vier Jahren vor mir herschiebe. Im Auto wurde ich dann so müde. Dann musste ich ein bisschen schlafen, jetzt muss ich ein bisschen bloggen, gleich muss ich noch was essen, und vielleicht Wäsche waschen.

Argh.

Man darf niemals und unter keinen Umständen einen Arzt auf seine Doktorarbeit ansprechen, wenn nicht Dr. med. auf dem Namensschildchen steht. Auch nicht, wenn man der Chef ist, dem ggf. versprochen wurde, dass man „nur noch schreiben“ muss und ganz bestimmt allerspätestens 6 Monate nach Einstellung besagten Titel sein eigen nennt. Ich hoffe der Chef hat mir geglaubt, als ich mich selber mit meinem Handy auf meinem Diensttelefon angerufen hab und so getan habe als müsste ich dringend weg. Gnah. Gnah, gnah, gnah.

„Nur noch schreiben“ muss ich seit vier Jahren! Aber naja, dann kanns auch bis morgen warten. Oder bis zum Wochenende. Oder bis zum Urlaub. Argh. Aber dieses Jahr auf jeden Fall, ich schwör.

UND JETZT WILL ICH DA NICHT MEHR DRÜBER REDEN!!!

Gedanken zu Doc 2.0

Bei Mae fand ich einen Post, in dem sie Menschen in ihrem Umfeld befragt, was ihrer Meinung nach einen guten Arzt ausmacht.

An dieser Stelle möchte ich zwei bis drei Kommentare zu den genannten Punkten loswerden. Kursiv ist aus Maes Artikel zitiert.

Ein guter Arzt muss…

  • seinem Patienten zuhören können…ja. Bestimmt. Aber er muss auch die Kurve kriegen, in kurzer Zeit das Wesentliche zu erfragen. So gern er würde, der gute Arzt, er kann halt nicht eine Stunde lang Hand in Hand mit dem Patienten verbringen und die Zipperlein von Tante Berta durchhecheln, die ja eigentlich nur Rücken hatte und dann aber… und außerdem seit der Hund tot ist geht man ja nicht mehr an die Luft und ist auch sonst so allein…wirklich. Wir würden gerne, aber draußen sitzen im Zweifelsfall 15 andere Patienten. Der gute Arzt muss also nicht nur zuhören können, er muss auch ein Gespräch so lenken können, dass der Patient sich

a) verstanden fühlt und

b) in möglichst kurzer Zeit die relevante Anamnese preisgibt.

  • auf die gesunheitlichen und psychischen Probleme seiner Patienten eingehen…hmpf. Ja. Aufgrund der gesundheitlichen Probleme ist der Patient ja im Zweifelsfall beim Arzt. Auf die psychischen Probleme eingehen. Ja hm. Was will uns der Verfasser damit sagen? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht betrifft dieser Punkt auch eher Hausärzte, die regelmäßig und über lange Zeit mit den Patienten zu tun haben und nicht uns Klinikmäuschen? Oder führt uns ganz schnell zu Punkt 1 zurück…
  • fachliche Kompetenz ausstrahlen…Das ist natürlich jederzeit selbstverständlich… wird gemacht!
  • Menschenkenntnis haben…hm. Wieder so pointiert formuliert. Menschenkenntnis haben. Ja gut. Dieser Punkt führt wahrscheinlich ganz schnell wieder dahin, dass man auf die psychischen Probleme der Patienten eingehen soll… äh.
  • bereit sein, den Menschen zu helfen (Hilfsbereitschaft)…Klar mann! Aber dafür müssen sich die Menschen auch helfen lassen wollen.
  • seine Patienten im Mittelpunkt seines Interesses haben…Im Mittelpunkt seines fachlichen Interesses… ja. Natürlich. Trotzdem gehört es glaube ich zu einem Dasein als guter Arzt, dass der GA als solcher auch persönlich zurecht kommt und nicht nur für seine Arbeit lebt… näheres siehe unten.
  • sich weiterbilden wollen…uneingeschränktes ja.
  • seine Patienten als Mensch, als Individuum sehen, und nicht als „Fall“, „Akte“ oder „Blinddarm von Zimmer #7″…Ja, aber! „Bettplatz 7“ ist eindeutig. „Herr Müller“ im Zweifelsfall nicht. Ich sehe ja den Herrn Müller trotzdem als Individuum an und behandele ihn menschlich und spreche ihn nicht mit „Bettplatz 7“ an. Aber wenn der Herr Müller die Augen verdreht und am Monitor statt einer Herzfrequenz eine verdächtige grüne Linie erscheint, dann schreit der erste der das sieht „Bettplatz 7!“ und innerhalb von 5 Sekunden sind alle Beteiligten da wo es brennt und können helfen.

Wir sind Ärzte, keine Gedächtniskünstler.

  • Menschlichkeit haben…ich glaube das sollte halt jeder Mensch.
  • seinen Beruf als Berufung begreifen…Jein. Seinen Beruf gerne ausüben, klar. Jedoch darin so aufgehen, dass all die Selbstbestätigung und das Selbstwertgefühl sich nur aus dem Job speist… auf KEINEN FALL! Wollt ihr einen Arzt oder einen Burnout-gefährdeten Psycho ohne regelmäßigen Schlaf? Ich glaube gerade als Arzt muss man sich immer wieder klar machen, dass es letztlich ein Job ist. Man darf nach Hause gehen, und man muss nicht nochmal in der Klinik anrufen, um nach Herrn Müller/Meier/Schulze zu fragen. Man muss nicht 24/7 für seine Patienten erreichbar sein. Man hat das Recht auf ein funktionierendes Privatleben. Man hat ein Recht auf Freizeit.

Ich habe oft das Gefühl, dass das Bild von Ärzten in der Öffentlichkeit doch sehr verzerrt ist. Wir haben auch gute und schlechte Tage, ab und zu schlechte Laune. Patienten sind uns sympathisch oder auch nicht. Manchmal sind wir verkatert, weil wir in der Kneipe versackt sind. Das ist die reine Wahrheit.