Kleiner Beitrag zu meiner aktuellen Laune

WAH!

Gerade rausgefunden dass heute Feiertag ist. Gnahgnahgnah. Meinem Dienstplan halt nicht zu entnehmen gewesen, muss gleich arbeiten, hab nix zu essen im Haus (dann gibts wohl wieder „Nudeln ohne alles“), hätte heute noch ein Geburtstagsgeschenk kaufen sollen, wird alles nix.

Job – kaka. Ständig sterben mir Patienten weg. Ich weiß, es ist eine Intensivstation. Ich weiß, der Patient fängt immer an, und ich weiß, jedes Leben hat einmal ein Ende und JA, warum nicht auf der Intensivstation. Wenn getan wurde was zu tun ist? Aber warum hab ich bloß gerade so einen Run? 5 in 4 Tagen find ich echt was viel, lieber Endgegner, du hast meinen vollen Respekt, glaub mir, du musst gerade wirklich nicht weiter den Macker markieren. Lass mich heute in Ruhe, ja? Ich möchte heute einfach ein bisschen postop-Patienten betüdeln, vielleicht nen ZVK wechseln, ein bisschen Picco messen, auch gerne irgendwen ein bisschen kaputtes aus der Rettungsstelle zwecks weiterer Betreuung und ggf. Heilung aufnehmen, aber ich möchte heute NICHT SCHON WIEDER stundenlang reanimieren und mich irgendwann aufraffen müssen zu „Kommt, Leute, es reicht, wir hören jetzt auf“. Bitte. Und das Rea-Telefon soll auch nicht klingeln! So. War das deutlich genug? Menno 😦

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Zu alt für…

…. Umzugshilfen. Sollten wir sein, oder? Sind wir aber nicht. Deshalb muss ich jetzt mich wohl tatsächlich gleich rausquälen und einem der Herdenmitglieder zu Hilfe eilen. Argh. Der Punkt ist folgender: Die alte Wohnung liegt im 5 Stock (selbstredend ohne Aufzug) und die neue im 1. Stock, das heißt, ich werde so auftauchen, dass ich genau zum Einzug in Wohnung 2 da bin und mir wenigstens das Geschlörre aus Wohnung 1 sparen kann.

Schließlich war gestern wieder ein Dienst from Hell, allein allein mit 16 bekloppten Intensivpatienten, die es drauf anlegen, einen alle auf einmal zu ärgern:

„Der Vierer hat ne 200´er Frequenz“ „Bei der Achterin geht keine Luft mehr rein, kommst Du mal schnell?“ „Beim Zwölfer ist die Arterie platt, die misst keinen ordentlichen Druck… *Pause* … ach nee, der HAT keinen ordentlichen Druck!“ „Der Zehner blutet.“ „Die Zweierin hat sich den ZVK gezogen und sonst keinen Zugang“ „Der Shaldon läuft nicht beim Elfer und der hat doch ein Kalium von 6.“ WAH!

Pünktlich zur Übergabe hat noch einer mit Pupillendifferenzgeschichten rumgezickt und es lief auf ein CCT raus, immer der gleiche ganz große Spaß mit fünfundzwanzig Perfusoren und Arterie und Picco und Kathetern und Thoraxdrainage und -auch wichtig- Tubus und dann die 125 Kilo Mensch auf den CT-Tisch wuchten, dauert EWIG. 2 Minuten CT, dann wieder zurückwuchten, sortieren, klarkommen und zurück in die Homebase fahren. Dreiviertelstunde insgesamt. Selbstredend war das CT unauffällig. Und dann. Mein Lieblingsmoment des gestrigen Tages. Ich komm mit dem Patienten vom CT zurück und will stat nach Hause gehen, da ist mein Nachtdienst-Kollege weg. Reanimieren gegangen. Top. KLAR kann ich noch schnell ein Bett freiräumen und nochn bisschen aufpassen, ich hab ja sonst nix vor.

Im Endeffekt war ich dann so um 1 zu Hause und brauchte noch Unterschichten-Fernsehen und ein Bier bevor ich schlafen konnte, daher find ichs fair wenn ich erst zum Einziehen zum lustigen Umzugs-Trüppchen dazustoße. Oder?

Ach, und heute ist Muttertag! Nicht vergessen, Blümchen bringen! 😉

UND heute ist Wahltag in NRW! Schon gewählt? Auch nicht vergessen! Wichtig!

Gedicht des Tages

ZVK

Spritzt helles Blut dir ins Gesicht

wars die Vene sicher nicht.

Hast du Luft in deiner Spritze

ruf schonmal nach dem Röntgen-Fritze.

der zeigt dir dann den Mantel-Pneu

und du Wicht denkst nun aufs Neu´

schön wenn ein Ober-Arzt hier wär…

denn da muss ´ne Drainage her.

Dafür muss der Patient sediert sein –

und sei gewiss: der trübt dir ein.

blöd, wer ihn nicht gleich erkennt:

ein neuer Intensiv-Patient

Wie war Dein Tag?

Mittel. Mir ist einer kaputt gegangen. Ich nippe an meinem Bier.

Mh. Scheiße.

Meine private Balint-Gruppe in Form bester Freunde und ehemaliger Lern-Leidensgefährten braucht nicht mehr zu wissen. Sie verstehen schon. Dass wir heute den ganzen Tag einem Schaukampf gewidmet haben, den wir nicht gewinnen können. Abgekartertes Spiel, wir wissen doch alle wer am Ende Sieger bleibt. Trotzdem Konserven gegeben haben, nur um zuzuschauen, wie das Blut aus sämtlichen natürlichen und iatrogenen Körperöffnungen wieder hinaussickert. Intubiert haben, beatmet haben, dilettantisch die Funktion des nicht mehr pumpen wollenden Herzens übernommen haben. Supra. Supra. Noch mehr Supra. Atropin. Supra. Dialyse. Mehr Supra. BGA! Konserve! Supra. NaBic! Supra. Supra. Wer pumpt? Echo! Schrittmacher! Schleuse in die Subclavia. Supra. Supra.

Wir haben den Kampf verloren. Um einen Vater. Um einen Ehemann, der von seiner Frau geliebt wurde. Um einen Sohn, dessen Eltern es nicht fassen können. Um einen Menschen, der noch die Hälfte seines Lebens vor sich hätte haben sollen. Der noch reisen wollte, der noch das Haus abbezahlen muss. Dessen Kinder noch zur Schule gehen. Halbwaisen jetzt.

Mitheulen können hätte ich. Aber es hilft ja nix. Da sind noch 15 andere. Nur nicht in der Blutlache ausrutschen. Ihr drückt noch? Ich bin gleich wieder da.

Mittel war mein Tag. Mir ist der Fünfer kaputt gegangen.

A Basilikum´s Tale

Ich habe wahrscheinlich demnächst einen Basilikum auf dem Gewissen. Er wurde zu uns auf den Balkon verlegt, eigentlich nur zum Beobachten und ggf. ernten im Verlauf. Am Anfang gings ihm ganz gut, aber er wurde immer schlapper, immer schlechter mit den Vitalparametern. Ich hab dann gedacht, der ist wahrscheinlich trocken, und habe eine agressive Volumentherapie angefangen. Ich fürchte ich hab ihn überwässert, denn er ist mir daraufhin richtig abgeschmiert. Eigentlich wäre er jetzt Intensiv-Topf-pflichtig, aber wie immer, keine freien Töpfe, alle belegt. Ich muss erstmal verlegen. Zum Wochenende werden ja immer die Gärtnereien leergeräumt, und die ganzen Gomer Pflanzen landen in meinen Töpfen. Kommt davon, wenn man sich unbedingt nen Maximalversorger-Balkon aussucht.

Naja, wie dem auch sei, ich hab den Basilikum also wieder ausgeschwemmt, aber irgendwie kriegt er die Kurve nicht. Ich fürchte er wird per Silberpfeil auf den Kompost gehen, aber so leicht wird der Endgegner nicht punkten:

mein neuer Plan: Rescue-Dünger. Läuft gerade. Wenn er da jetzt nicht besser mit wird, weiß ich auch nicht. Scheiße. Diese unbedarfte Volumentherapie hat ihm wahrscheinlich tatsächlich den Rest gegeben. Das kommt davon, wenn man mit Hyper-HES gießt.

Heldenzeit

Heute haben wir eine Patientin in die Neuro-Frühreha verlegt. Ursprünglich hatte die junge Dame versucht, sich aktiv aus dem Leben zu verabschieden, nachdem das mit einem jungen Mann nicht so geklappt hatte wie sie sich das so vorgestellt hat. Der immerhin ist jetzt sehr reumütig und fühlt sich schuldig, aber die junge Frau ist trotzdem tetraparetisch und tracheotomiert und in etwa so kommunikativ wie eine Zimmerpflanze. Egal, auf jeden Fall gings in die Reha, und zwar, langer Rede kurzer Sinn, mit dem HUBSCHRAUBER.

ALTER war der Hubschrauberarzt toll. Und sexy. Und souverän (wobei das sexy wahrscheinlich ggf. der Gesamtsituation geschuldet ist und nicht dem Doc persönlich… wobei, hässlich war der jetzt auch nicht). Und cool… und überhaupt! Er war der HUBSCHRAUBERNOTARZT!

Naja, auf jeden Fall habe ich ein neues Endziel: Ich werde Hubschraubernotarzt, wenn ich groß bin. Um den zweiten Teil des Wortes werd ich eh wohl nicht drumherumkommen, und wenn schon denn schon, oder? Brauche unbedingt coole Sonnenbrille, die kann ich ja dann möglicherweise auf dem NEF schon mal tragen, um mir das nötige Auftreten für den Hubschrauber im Verlauf schonmal anzutrainieren!