Kurzes Update

Hab Urlaub. Also als allererstes meine Fingernägel lackiert. Dann ordentlich Sektchen eingebaut. Am nächsten Morgen (also vorhin) an irgendetwas erinnert. Was total schön war. Mein Herz gewärmt hat. Was ich total mochte. Was fast oder doch tatsächlich eine Konstante in den letzten viereinhalb Jahren gewesen ist:

Ich hab ja mal gebloggt, früher! Stimmt ja! Arrrr… immernoch über 200 Klicks am Tag, obwohl ich seit 8 Monaten nichts geschrieben hab. Direkt wieder diese Herzwärme.

Und bevor ich jetzt meinen Rucksack nehme und hoffentlich zeitnah nicht nur Herz- sondern auch Umgebungswärme spüre, sei gesagt:

Alles wie immer. Mal gräme ich mich, mal freue ich mich bei der Arbeit im wildesten Maximalversorger Deutschlands.

Ich bastele heimlich an einem eigenen neuen Blog für den bekloppten Plan und habe so absurdes Fernweh, dass ich es kaum noch aushalte.

Ich habe immernoch nicht promoviert, wiege immer noch gefühlte 5 kg zu viel und habe meine Steuererklärung für dieses Jahr immer noch nicht abgegeben. Ihr habt also nix verpasst.

Aber vielleicht blogge ich jetzt wieder öfter. Das hab ich nämlich *wirklich* vermisst.

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Mein Hund und mein Chef

Ich bin ja auf dem Land großgeworden. In so einem Dorf, mit Kühen nebenan und Pferden auf der Wiese und frische-Milch-beim-Bauern-holen am Wochenende und das ganze Programm.

Voll schön.

Da in dem Dorf gabs auch einen Hund, mit dem ich immer spazieren gegangen bin. Sein Name „Flocke“ war vielleicht nicht ganz intuitiv, der Gute war ein Labrador-Mischling und schon ein ganz schöner Brocken. Eine Seele von Hund, hätte nie jemandem etwas zu Leide getan, aber durchaus eine respektable Erscheinung.

Flocke und ich sind also gerne mal durch die Wälder und Wiesen gestreift und hatten es schön, jeder hing seinen Gedanken nach und Flocke war immer in einem 300-Meter-Radius um mich rum. Da gab es aber einen Bauernhof ganz hinten im Dorf, der hatte einen bösen Hund. Eigentlich war der immer angeleint, eines Tages aber halt nicht.

Ich, 11 oder 12 Jahre alt, lauf also nichtsahnend über den Feldweg, da kommt plötzlich dieser maligne Hund auf mich zu und knurrt schon von weitem und bellt und guckt voll böse und ist sehr sehr bedrohlich. Ich dachte mein letztes Stündlein hat geschlagen, weglaufen ging nicht, alles was ich tun konnte war nach Flocke zu rufen. Und da hättet ihr ihn sehen sollen. Flocke, der sich sonst eher gemütlich umgeguckt hat, wenn man wollte dass er zu einem kommt, nach dem Motto „jaja, Alte, ruf du mal, siehst du nicht dass ich hier noch beschäftigt bin…“, Flocke also wetzt wie ein geölter Blitz über das Feld, stellt sich zwischen mich und den bösen Hund, stellt die Nackenhaare hoch und macht den anderen Hund mit seiner Gestik so mürbe, dass der sich trollt, ohne dass jemandem ein Haar gekrümmt wurde. Puh. Er muss die Panik in meiner Stimme bemerkt und den Ernst der Situation erkannt haben, und als ich ihn brauchte war er sofort da.

Und so ist mein Chef auch. Gott sei Dank. Immer verpeilt und in seiner eigenen Welt beschäftigt, aber wenn man ihn braucht, steht er hinter oder vor einem, je nach Situation, und man wird beschützt.

Danke, Chef. Dafür verzeihe ich ihm sogar das ewige WDR 4- Gejaule im OP.

Gute Vorsätze für 2011

Hier meine Vorsätze für 2011:

1. mich nicht ärgern über Patienten

2. mich nicht ärgern über Kollegen

3. Durchatmen.

4. nichts mehr prokrastinieren

5. die Snooze-Taste höchstens 2x am Tag drücken

6. nicht mehr so viel Kaffee

7. Alkohol nur noch am Wochenende

8. wieder mehr Sport machen

 

chrrr…. Klassiker. 1 bis 3 lassen sich subsummieren unter „durchatmen und lächeln und innerlich bis 10 zählen“. Vollidioten sind halt überall, und die meisten meinen es nicht so. Die, die es so meinen, sind es nicht wert, sich drüber aufzuregen. Und die anderen können nichts dafür. Deshalb werde ich eine stoische, kompetenzgetränkte Ruhe ausstrahlen. So wird das.

4-8 lassen sich subsummieren unter „mein Leben im Griff haben, klarkommen und ggf. mal erwachsen werden“. Ich freu mich schon, wenn Ende Januar die Steuererklärung fertig ist und ich in meinem Bioessen-verwöhnten, sportgestählten Luxuskörper rumlaufe. Probier ich seit Jahren. Nur heut abend gibts noch einmal Bratkartoffeln und Spiegelei plus 1 Feierabendbierchen mit dem Lieblingskollegen. Wir haben da was zu besprechen.

Was habt ihr euch so vorgenommen für 2011? Das Übliche? Oder was wildes?

 

Ach ja: Regelmäßig(er) bloggen will ich natürlich auch!!

Gedanken zu Doc 2.0

Bei Mae fand ich einen Post, in dem sie Menschen in ihrem Umfeld befragt, was ihrer Meinung nach einen guten Arzt ausmacht.

An dieser Stelle möchte ich zwei bis drei Kommentare zu den genannten Punkten loswerden. Kursiv ist aus Maes Artikel zitiert.

Ein guter Arzt muss…

  • seinem Patienten zuhören können…ja. Bestimmt. Aber er muss auch die Kurve kriegen, in kurzer Zeit das Wesentliche zu erfragen. So gern er würde, der gute Arzt, er kann halt nicht eine Stunde lang Hand in Hand mit dem Patienten verbringen und die Zipperlein von Tante Berta durchhecheln, die ja eigentlich nur Rücken hatte und dann aber… und außerdem seit der Hund tot ist geht man ja nicht mehr an die Luft und ist auch sonst so allein…wirklich. Wir würden gerne, aber draußen sitzen im Zweifelsfall 15 andere Patienten. Der gute Arzt muss also nicht nur zuhören können, er muss auch ein Gespräch so lenken können, dass der Patient sich

a) verstanden fühlt und

b) in möglichst kurzer Zeit die relevante Anamnese preisgibt.

  • auf die gesunheitlichen und psychischen Probleme seiner Patienten eingehen…hmpf. Ja. Aufgrund der gesundheitlichen Probleme ist der Patient ja im Zweifelsfall beim Arzt. Auf die psychischen Probleme eingehen. Ja hm. Was will uns der Verfasser damit sagen? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Vielleicht betrifft dieser Punkt auch eher Hausärzte, die regelmäßig und über lange Zeit mit den Patienten zu tun haben und nicht uns Klinikmäuschen? Oder führt uns ganz schnell zu Punkt 1 zurück…
  • fachliche Kompetenz ausstrahlen…Das ist natürlich jederzeit selbstverständlich… wird gemacht!
  • Menschenkenntnis haben…hm. Wieder so pointiert formuliert. Menschenkenntnis haben. Ja gut. Dieser Punkt führt wahrscheinlich ganz schnell wieder dahin, dass man auf die psychischen Probleme der Patienten eingehen soll… äh.
  • bereit sein, den Menschen zu helfen (Hilfsbereitschaft)…Klar mann! Aber dafür müssen sich die Menschen auch helfen lassen wollen.
  • seine Patienten im Mittelpunkt seines Interesses haben…Im Mittelpunkt seines fachlichen Interesses… ja. Natürlich. Trotzdem gehört es glaube ich zu einem Dasein als guter Arzt, dass der GA als solcher auch persönlich zurecht kommt und nicht nur für seine Arbeit lebt… näheres siehe unten.
  • sich weiterbilden wollen…uneingeschränktes ja.
  • seine Patienten als Mensch, als Individuum sehen, und nicht als „Fall“, „Akte“ oder „Blinddarm von Zimmer #7″…Ja, aber! „Bettplatz 7“ ist eindeutig. „Herr Müller“ im Zweifelsfall nicht. Ich sehe ja den Herrn Müller trotzdem als Individuum an und behandele ihn menschlich und spreche ihn nicht mit „Bettplatz 7“ an. Aber wenn der Herr Müller die Augen verdreht und am Monitor statt einer Herzfrequenz eine verdächtige grüne Linie erscheint, dann schreit der erste der das sieht „Bettplatz 7!“ und innerhalb von 5 Sekunden sind alle Beteiligten da wo es brennt und können helfen.

Wir sind Ärzte, keine Gedächtniskünstler.

  • Menschlichkeit haben…ich glaube das sollte halt jeder Mensch.
  • seinen Beruf als Berufung begreifen…Jein. Seinen Beruf gerne ausüben, klar. Jedoch darin so aufgehen, dass all die Selbstbestätigung und das Selbstwertgefühl sich nur aus dem Job speist… auf KEINEN FALL! Wollt ihr einen Arzt oder einen Burnout-gefährdeten Psycho ohne regelmäßigen Schlaf? Ich glaube gerade als Arzt muss man sich immer wieder klar machen, dass es letztlich ein Job ist. Man darf nach Hause gehen, und man muss nicht nochmal in der Klinik anrufen, um nach Herrn Müller/Meier/Schulze zu fragen. Man muss nicht 24/7 für seine Patienten erreichbar sein. Man hat das Recht auf ein funktionierendes Privatleben. Man hat ein Recht auf Freizeit.

Ich habe oft das Gefühl, dass das Bild von Ärzten in der Öffentlichkeit doch sehr verzerrt ist. Wir haben auch gute und schlechte Tage, ab und zu schlechte Laune. Patienten sind uns sympathisch oder auch nicht. Manchmal sind wir verkatert, weil wir in der Kneipe versackt sind. Das ist die reine Wahrheit.