Chirurgie…schön wie nie!

Haha… der Welpe ist back in da Hood… Homezone, quasi. Seit heute bin ich raus aus dem Elfenbeinturm. Ein letzter mittelwilder Nachtdienst um das neue Jahr einzuläuten (das war toll 1.1.11 auf die Transfusionsprotokolle zu schreiben!), ein freies Wochenende und jetzt bin ich wieder Chirurgin. Na, man wird sehen… aber: „ich liebe den Duft von Sterilium am Morgen!“
Ich brauche einen neuen Untertitel für mein Blog.

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Rechenbeispiel

Man nehme eine Intensivstation, deren Herzstück 9 motivierte Assistenzärzte darstellen, welche durch die weise Planung des leitenden Oberarztes in einem sinnigen Dreischichtsystem die Fahne der Maximalversorgermedizin und das medizinische Versorgungsniveau auf der kompetentesten aller Intensivstationen hochhalten.

Man schicke drei von denen gleichzeitig in Urlaub (WER HAT SICH DAS AUSGEDACHT! UND WARUM HAB ICH KEINEN URLAUB??? IMMER NUR DIE ANDEREN, MENNO!!!!).

Von den verbleibenden 6 Assistenten lasse man 2 krank das Bett hüten.

Von den verbleibenden 4 Assistenten lasse man eine so jung und unerfahren hoffnungsfroh sein, dass sie nicht alleingelassen werden kann.

Bleiben?

Richtig. 3. In Worten: Drei.

Für ein Dreischichtsystem. Da kann dann jetzt jeder auch selbst weiterrechnen, wie lang das gutgeht. Und natürlich pünktlich zum Wochenende. Klar, ich spring natürlich gerne ein. Mein viertes Wochenende in Folge, dass ich an meinem wärmenden und lärmenden Lieblingsarbeitsort verbringen durfte. Hurra.

Dafür hab ich heute frei, sozusagen. Ich muss ja erst abends antreten, zum Nachtdienst.

Den ganzen Tag Zeit für mich…

…mir ist langweilig.

Chronik einer Nacht

Ich hab auch mal mitgemacht. So wie z.B. die Kollegen hier, hier und hier. Also, eine beliebige Nacht: here we go:

20:30 – auf dem Sofa aufgewacht. Es ist Zeit. Höchste Zeit. Auf zum Nachtdienst

21:02 – so gut wie pünktlich zur Übergabe da… Kollegin rödelt noch rum… erstmal ne Runde Solitär spielen

21:08 – lief grad gut, egal, Übergabe muss sein.

21:45 – Visite beendet. Die meisten Patienten sind Selbstläufer und sollten die Nacht über auf Autopilot laufen. Sollten. Zwei Betten frei, eine OP im Orbit, aber noch nicht da. Der Spätdienst verschwindet.

21:48 – Anruf von der Rettungsstelle: Rupturiertes BAA auf dem Weg.

22:00 – BAA noch nicht da. Solitär.

22:30 – BAA immer noch nicht da. Labore gucken, Specials für morgen nachmelden.

23:10 – BAA immer noch nicht da. Anruf geträumt? Vorsichtiger Rückruf – sind im OP. Aha. Entspannung. Solitär.

23:30 – aus purer Langeweile diverse BGAs gemacht. An diversen Beatmungsgeräten gespielt. Große Medizin.

23:45 – ein EK gegeben. Läuft morgen eh ab.

00:30 – Der Patient aus dem OP erscheint. Schnell untersuchen, wird nachbeatmet, hat bereits alle möglichen maximalinvasiven Zugänge.

01:05 – Kurve für neuen Patienten geschrieben, da schon mal am Computer ein bisschen Solitär.

01:45 – ein Patient kriegt Atropin weil bradykard, ein anderer Betablocker weil tachykard. Erwäge die beiden in ein Zimmer zusammenzuschieben zwecks normfrequenter Durchschnitts-Herzfrequenz. Wäre allerdings immernoch hypotoner Durchschnitts-Blutdruck. Schmeiße eine Runde Noradrenalin.

02:00 – Essen. Gibt Kartoffelgratin mit Gemüse. Yammie.

03:00 – Gab auch noch Eis. Fressnarkose. Kurz Augen zu. Kissen besorgt, Decken besorgt. Nest unter Schreibtisch gebaut.

03:05 – kurz erwogen, die Patientin im Nachbarzimmer zu intubieren. Schnarcht zu laut, ich kann nicht schlafen.

03:25 – das BAA kommt an.

03:31 – das BAA kriegt zwei Konserven.

03:50 – das BAA kriegt ein FFP.

04:00 – BGA vom BAA schön geworden. Noch ein paar andere BGAs gemacht, da schon dabei. Bisschen Kalium verteilt, bisschen Kalzium verteilt. Laborkosmetik für Chefvisite.

04:15 – Vögeln beim Singen zugehört. Hurra, Frühling.

04:30 – Bisschen Doku, Verläufe geschrieben, Kurven geschrieben. Solitär.

04:45 – Patient beim Bluten zugeguckt. Chirurgen gerufen. EKs, Volumen, OP. Die Armen. Waren gerade erst im Bett.

05:00 – Kontrollrunde mit Blick in alle Boxen: scheint ruhig. Kalium-Perfusor gefunden, ausgestellt.

05:15 – Solitär.

06:00 – Argh! Die Piccos! Schnell gemessen, alles gut.

06:30 – Guten Morgen, liebe Kollegen, guten Morgen, Chef!

06:35 – ersten Anschiss kassiert für Begebenheiten aus dem Wochenende über die ich Nachtdienst-Unglücksrabe berichten muss.

06:55 – drei weitere Anschisse später Frühvisite überlebt.

07:00 – Höchst pünktlich Ort des Geschehens verlassen. Brötchen holen.

07:35 – Frühstück, Bett. Hurra, Vorbei. Ruhige Nacht.

Zu alt für…

…. Umzugshilfen. Sollten wir sein, oder? Sind wir aber nicht. Deshalb muss ich jetzt mich wohl tatsächlich gleich rausquälen und einem der Herdenmitglieder zu Hilfe eilen. Argh. Der Punkt ist folgender: Die alte Wohnung liegt im 5 Stock (selbstredend ohne Aufzug) und die neue im 1. Stock, das heißt, ich werde so auftauchen, dass ich genau zum Einzug in Wohnung 2 da bin und mir wenigstens das Geschlörre aus Wohnung 1 sparen kann.

Schließlich war gestern wieder ein Dienst from Hell, allein allein mit 16 bekloppten Intensivpatienten, die es drauf anlegen, einen alle auf einmal zu ärgern:

„Der Vierer hat ne 200´er Frequenz“ „Bei der Achterin geht keine Luft mehr rein, kommst Du mal schnell?“ „Beim Zwölfer ist die Arterie platt, die misst keinen ordentlichen Druck… *Pause* … ach nee, der HAT keinen ordentlichen Druck!“ „Der Zehner blutet.“ „Die Zweierin hat sich den ZVK gezogen und sonst keinen Zugang“ „Der Shaldon läuft nicht beim Elfer und der hat doch ein Kalium von 6.“ WAH!

Pünktlich zur Übergabe hat noch einer mit Pupillendifferenzgeschichten rumgezickt und es lief auf ein CCT raus, immer der gleiche ganz große Spaß mit fünfundzwanzig Perfusoren und Arterie und Picco und Kathetern und Thoraxdrainage und -auch wichtig- Tubus und dann die 125 Kilo Mensch auf den CT-Tisch wuchten, dauert EWIG. 2 Minuten CT, dann wieder zurückwuchten, sortieren, klarkommen und zurück in die Homebase fahren. Dreiviertelstunde insgesamt. Selbstredend war das CT unauffällig. Und dann. Mein Lieblingsmoment des gestrigen Tages. Ich komm mit dem Patienten vom CT zurück und will stat nach Hause gehen, da ist mein Nachtdienst-Kollege weg. Reanimieren gegangen. Top. KLAR kann ich noch schnell ein Bett freiräumen und nochn bisschen aufpassen, ich hab ja sonst nix vor.

Im Endeffekt war ich dann so um 1 zu Hause und brauchte noch Unterschichten-Fernsehen und ein Bier bevor ich schlafen konnte, daher find ichs fair wenn ich erst zum Einziehen zum lustigen Umzugs-Trüppchen dazustoße. Oder?

Ach, und heute ist Muttertag! Nicht vergessen, Blümchen bringen! 😉

UND heute ist Wahltag in NRW! Schon gewählt? Auch nicht vergessen! Wichtig!