das religiöse Thema

Ich hab heute Nacht wieder Nachtdienst.

Deshalb dachte ich, ich schlaf mal ausgiebig aus, damit ich nicht so müde bin nachher und so. Fuchs-Plan, alles gut. Bis darauf, dass mich heute morgen um halb neun meine Türklingel relativ penetrant und unsanft weckte. Ich hätte ja gesagt, gut, wer auch immer an der Tür ist, wenn es mich interessiert, hat derjenige noch andere Möglichkeiten, mich zu kontaktieren. Aber: Unsere Nachbarin bekommt demnächst ihr zweites Baby und ich hab versprochen, im Fall des Falles den schon vorhandenen Nachwuchs zu bespaßen, bis die Babysitter-Oma angereist ist. Deshalb bin ich pflichtbewusst aufgestanden und habe auf das Klingeln reagiert:

„Hallo?“

„Guten Morgen, Müller mein Name.“

Ich so gedacht: Scheiße, GEZ?! Ich zahl doch? Wer will denn sonst Samstag morgens was von einem und sagt nicht gleich, was… argh.

„Guten Morgen?“

„Ich wollte fragen, ob ich eine Zeitschrift in ihren Briefkasten legen kann?“

WTF??

„Was denn für eine Zeitschrift?“

„Mit dem religiösen Inhalt: Warum es soviel Leid auf der Welt gibt.“

ALTER! ICH ZEIG DIR GLEICH MAL WIE LEID GEHT!!! ICH GLAUB ES HAKT! DU WECKST MICH UM DIESE ZEIT FÜR SO EINEN STUSS! WEISST DU EIGENTLICH WIE WIRKLICHES LEID AUSSIEHT; DU GEISTESGESTÖRTES PSEUDORELIGIÖSES MISTSTÜCK! WIRST DU GLEICH SEHEN, WENN ICH MIT DIR FERTIG BIN! WAS BILDEST DU DIR EIGENTLICH EIN?!

„Äh, nein danke.“

„Einen schönen Tag noch“

„jaja, gleichfalls“

 

Gut. Ich könnte jetzt natürlich in eine wilde religionstheoretische Debatte ausbrechen und mir überlegen, ob es einen Gott geben kann, wenn es die Intensivstation Leid auf der Erde gibt, und wir ihm einfach alle egal sind, oder ob es ein Beweis ist, dass es ihn nicht gibt usw usf.

Will ich aber nicht. Ich will nicht von irgendwelchen religiösen Freaks belästigt und um meinen wertvollen Schlaf gebracht werden. Falls es einen Gott gibt, wie auch immer geartet, dann ist er sicher glücklich, wenn jeder Hansl seiner Schöpfung so glücklich wie möglich ist. KAPIERT? Dazu gehört ausschlafen für mich, menno!

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