… gibt sich weiterhin alle Mühe, seinen ersten Eindruck zu halten und vielleicht auch noch zu übertrumpfen. Nachdem er sich im letzten halben Jahr durch unglaublichsten Größenwahn („den Brief kannst Du ausdrucken, den hab ich schon gegengelesen, ist ok so“ – Hallo?!) und unglaublichste manuelle („Also hier im OP greifen die Pinzetten ja irgendwie alle nicht“) und soziale („Ich arbeite hier nur noch weg, was der Stationsarzt wieder nicht geschafft hat“) Ungeschicklichkeit hervorgetan hat, hat er heute den Vogel abgeschossen. Jemand hat seinen Schrank geöffnet und die ein oder andere Akte gefunden, die er „nochmal in Ruhe durchgehen“ wollte, bevor er den endgültigen Entlassbrief dazu schreibt. Hallo? Es handelt sich um chirurgische Entlassbriefe. Erst ein stationärer Aufenthalt von mehr als drei Monaten rechtfertigt hier mehr als einen Dreizeiler. Naja. Wie dem auch sei, zu Gute halten muss man ihm, dass er es ja gründlich machen wollte mit den Entlassbriefen. Jetzt wurde er für den Rest der Woche von der Stationsarbeit freigestellt, damit er endlich diese Briefe schreibt. Gefühlt sind in diesem Schrank mehr Akten als wir 2011 an Patienten hatten.
Könnte mir ja egal sein, denkt ihr? Der arme Kerl, denkt ihr? Mitnichten. ICH darf die ganzen Briefe jetzt gegenlesen, bevor der Oberarzt unterschreibt. Weil wir ja auf einer Station „zusammen“-arbeiten. Hey, voll schön. Ich wollte schon immer mal Führungspositionen innehaben und Verantwortung und so. Hat wer nen Strick für mich?
Bleibt nur zu hoffen, dass er das mit der Freistellung von der Stationsarbeit ernst nimmt. Dann muss man ihm weniger hinterherräumen. Beim Briefe schreiben kann er auch nicht so viel kaputtmachen, hoffe ich. Gnah.